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21. Dezember 2020 | 14:19 Uhr
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BUND Bayern fordert Umwelt-Lehren aus Corona-Jahr

Um angesichts des wachsenden Interesses an Urlaub im eigenen Land die heimische Bergwelt zu schützen, müsse der Individualverkehr zugunsten von Bus und Bahn deutlich zurückgedrängt werden, erklärt der BUND Naturschutz Bayern, der dazu eine Studie vorgelegt hat. Zudem dürften keine zusätzlichen touristischen Kapazitäten geschaffen werden.

Bayern Watzmann

Die deutsche Alpenregion steht bei Urlaubern hoch im Kurs

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Kilometerlange Staus, zugeparkte Ortschaften und Karawanen von Menschen auf Wanderwegen: Das Corona-Jahr habe "viele der ohnehin stattfindenden Veränderungen des Alpentourismus offensichtlich gemacht", heißt es in der neuen BN-Studie "Von der Traumlandschaft zum übernutzten Berggebiet".

Das steigende Bedürfnis nach Erholung in intakten Landschaften und einem immer individueller gestalteten Bergurlaub müsse besser mit dem Schutz der Bergwelt in Einklang gebracht werden. "Als Lehre aus dem Coronajahr müssen wir jetzt die Weichen für einen dauerhaft natur- und umweltverträglichen Tourismus in den bayerischen Alpen stellen“, sagt Richard Mergner, Landesvorsitzender des BUND Naturschutz. 

Pisten sollen für Tourengeher freigegeben werden

Der BN kritisiert unter anderem die Sperrung von Pisten für Individualsportler. Den Tourismus in naturverträgliche Bahnen zu lenken, heiße nicht, "die Gäste zu bekämpfen“, wird Axel Doering, Sprecher des BN-Landesarbeitskreises Alpen zitiert Deshalb solle das Skibergsteigen auf Pisten zugelassen werden. Denn die Belastung sei nicht höher als wenn die Lifte offen wären, argumentiert der Naturschutz-Verband. Zudem würden ruhige, entlegenere Gebiete durch die Nutzung der Pisten seitens der Tourengeher geschont.

Neue Verkehrskonzepte gefordert

Ein weiteres Problem sei der starke Autoverkehr in den Alpentälern. "Die meisten Alpentäler ersticken schon heute im Individualverkehr", heißt es in der Studie. Doch im aktuellen Bundesverkehrswegeplan und Staatsstraßenausbauplan seien über 130 Straßenneubau- und Straßenausbauprojekte enthalten;  darunter "gigantomanische und extrem teure Kapazitätssteigerungsprojekte wie der autobahngleiche Ausbau der B12 ins Allgäu, der vierstreifige Ausbau der B2 bis vor die Tore von Garmisch-Partenkirchen oder der sechsstreifige Ausbau der A8 von München Richtung Salzburg".

Der BN fordert einen sofortigen Stopp des Straßenaus- und -neubaus und eine Verlagerung der Finanzmittel in einen attraktiven und leistungsfähigen ÖPNV, um dem alpinen Verkehrskollaps in den Tourismusorten zu entkommen. Die Studie zeige auf, dass das Tageseinzugsgebiet von Oberstdorf vor allem durch Straßenausbauten in den vergangenen 50 Jahren von 660 000 auf über 8,5 Millionen Menschen angestiegen sei. Ziel müsse es sein, den Tagestourismus zu Gunsten eines qualitativ verbesserten Übernachtungstourismus zurückzudrängen.

Immer mehr Wanderer, Tourengeher und Biker

Die Kapazitäten von touristischen Infrastrukturen wie Bergbahnen und Lifte dürfe nicht weiter gesteigert werden, da durch die meisten Infrastrukturen immer noch mehr Menschen in die alpinen Ruheräume gelockt und transportiert würden, so der Verband weiter. Stattdessen solle die bayerische Seilbahnförderung nur noch einen "Bestandserhalt" finanzieren. Bisher würden Zuschüsse nur bei Ausbauvorhaben, nicht aber bei Ersatzinvestitionen gezahlt.

Im Coronajahr 2020 seien so viele E-Mountainbikes wie nie zuvor gekauft worden, so der BN weiter. Vor dem Weihnachtslockdown seien zudem die Verkaufszahlen von Tourenski in die Höhe geschnellt. Eine wachsende Zahl von Individual-Outdoorsportlern dringe "immer weiter in bisherige Ruheräume der Alpen vor". Die bayerischen Alpen bräuchten daher einen "Alpenplan 2.0", ein Zonierungskonzept für Individualsportarten. Darin müsse dargestellt werden, welche Outdoorsportarten in welchen Räumen problemlos möglich seien, und wo diese aus Naturschutzgründen zu unterlassen seien. Ein solches Konzept müsse rechtsverbindlich sein.

Die Studie ist kostenlos zum Download verfügbar.

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