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12. Mai 2023 | 15:36 Uhr
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Das Schweigen der Verbände zum Daten-Deal

Während die Branche vor und hinter den Kulissen über die Datenaffäre um RTK und FTI diskutiert, halten sich die Verbände mit Ausnahme des Reisebüroverbandes VUSR mit Einschätzungen zurück. Das ist nachvollziehbar; allerdings ist die Situation gerade für den DRV heikel.

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Fast alle Verbände hüllen sich zum Daten-Deal in Schweigen

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Für die VUSR-Chefin Marija Linnhoff ist die Affäre um Buchungsdaten, die die Kooperationszentrale von RTK jahrelang an FTI weitergereicht hat, ein gefundenes Fressen – auch wenn sie immer wieder betont, dass die Angelegenheit der gesamten Reisebranche schade und sie deshalb keineswegs glücklich darüber sei. Ihrem Verband könnte die Sache dagegen durchaus nützen. Denn Linnhoffs Credo, dass die Reisebüros eine eigene Vertretung benötigen, scheint sich anhand des Datenskandals zu bestätigen.

Die streitbare VUSR-Vorsitzende wird denn auch nicht müde, bei jeder sich bietenden Gelegenheit den Finger in die Wunde zu legen. "Nur das unvermeidbare wird zugegeben und die Aufklärung wird aus unserer Sicht auf die lange Bank geschoben, bis vermeintlich Gras über die Sache gewachsen ist. Sowohl Veranstalter als auch Vertrieb sollten das nicht zulassen, denn hier sind eindeutig Grenzen überschritten worden. Hier geht es nicht um eine kleine Unachtsamkeit mit Daten, hier geht es um systematische Aushöhlung des Wettbewerbs, zulasten anderer Veranstalter, der Verbraucher und des Vertriebs", erklärte sie bereits Mitte April.

Ganz anders sieht es bei den übrigen touristischen Verbänden aus. Der touristische Dachverband BTW und der Verband des Online-Reisevertriebs VIR reagierten bis Freitagnachmittag auf eine entsprechende Anfrage von Reise vor9 nicht. Der Mittelstandsverband ASR "sieht die Datenaffäre mit großem Bedauern". Die Aufarbeitung müsse jedoch "bei den Beteiligten erfolgen", deshalb wolle man sich nicht dazu äußern, heißt es.

Kritik an "lautstarker" Debatte

Die Chefs von VIR und ASR, Michael Buller und Anke Budde, hatten sich zuvor in Social-Media-Kanälen gegen eine "lautstarke" öffentliche Diskussion ausgesprochen. Die Affäre müsse "zwischen den Betroffenen" geklärt werden. Ein berechtigtes öffentliches Interesse an der Aufklärung des Datenaustauschs, der dem Vernehmen nach immerhin mehrere tausend Reisebüros betrifft, sehen die Akteure offenbar nicht.

Der DRV erklärt auf Anfrage: "Im Sinne der gesamten Branche ist es wichtig, dass die Sachlage vollständig aufgeklärt wird. Etwaige Verstöße gegen Verträge oder Gesetze müssen untersucht und abschließend rechtlich bewertet werden. Im aktuellen Fall erfolgt dies offensichtlich durch die Einschaltung von Sachverständigen und Rechtsanwälten. Dies wird zu einer umfassenden Aufklärung der in Rede stehenden Sachverhalte führen."

Alle Beteiligten sitzen im DRV-Vorstand

Für den DRV ist die Geschichte nicht zuletzt deshalb heikel, weil Vertreter aller mit dem Skandal befassten Parteien in seinem Vorstand sitzen. RTK-Chef Thomas Bösl ist kooptiertes Vorstandsmitglied. FTI-Chef Ralph Schiller steht der Säule C der mittelständischen Reiseveranstalter vor. Im Vorstand der Säule D der Konzernveranstalter sitzt indes TUI-Chef-Lobbyist Thomas Ellerbeck, dessen Unternehmen an RT Reisen und dem Joint Venture mit RTK TUI Travel Star beteiligt ist. TUI hatte zuletzt sowohl eine Wirtschaftsprüfungsgesellschaft als auch eine Anwaltssozietät mit der umfassenden rechtlichen – einschließlich einer strafrechtlichen – Prüfung beauftragt und vorab bereits eine Entflechtung von RTK und FTI gefordert. Beide Unternehmen gehören mehrheitlich dem ägyptischen Unternehmer Naguib Sawiris.

Viele Wege führen nach Burghausen

Verbindungen gibt es auch zu Ralf Hieke, Reisebüroinhaber und DRV-Vizepräsident in der Säule A der mittelständische Reisemittler. Hiekes Reisebüros gehören der RTK-Kooperation an; damit ist es nicht unwahrscheinlich, dass auch ihre Buchungsdaten durch die RTK-Zentrale an FTI weitergereicht wurden. Einen Bezug zu den Beteiligten hat auch Oliver Wulf, Chef des Kreuzfahrtspezialisten Urlaubsexperte.de und DRV-Vorstand in der Säule A. Auch sein Büro gehört dem RTK-Verbund an. Und an einer jüngst gegründeten Holding namens Travel & Cruises Company ist neben Wulf und den Gesellschaftern des Kreuzfahrtreisebüros Hanseat, Marno Thiel und Andreas Kirst, auch Wolfgang Altmüller beteiligt. Der Chef der VR meine Raiffeisenbank Altötting ist wiederum Aufsichtsratschef der FTI Group. Zudem hält sein Arbeitgeber 25,1 Prozent an der RTK-Mutter RTG. Ob oder in welchem Ausmaß Altmüller in die Affäre involviert ist, ist bislang nicht bekannt.

Spannungsgeladene Situation

Bei einem Vorstandstreffen innerhalb des DRV dürfte also für Spannung und auch für Spannungen gesorgt sein. Natürlich ist davon auszugehen, dass die meisten Akteure ohnehin miteinander in Kontakt stehen. Jenseits offizieller Erklärungen hört man übrigens auch von manchen Verbandsvertretern durchaus deutliche Worte. Beim DRV-Reisebürotag am 23. Mai dürfte das Thema auf jeden Fall eine Rolle spielen, auch wenn es nicht auf der offiziellen Agenda steht. Ansonsten kann der DRV auf Zeit spielen und darauf hoffen, dass die Affäre bis zu seinem nächsten Hauptstadtkongress am 12. Oktober auf die eine oder andere Weise beigelegt ist. Dagegen stehen auf einem anderen Feld schon bald interessante Gespräche bevor. 

Denn es gilt, die Vertriebskonditionen für das kommende Geschäftsjahr auszuhandeln. Wie sich RTK oder der Kooperationsverbund QTA, dessen Sprecher bekanntlich Thomas Bösl heißt, dann in den Verhandlungen mit Alltours, DER Touristik, Schauinsland oder TUI positionieren werden, bleibt abzuwarten. In der Branche wird bereits darüber diskutiert, dass es zu umfangreichen Rückforderungen an die RTK-Zentrale kommen könnte, wenn sich herausstellt, dass der Datendeal FTI einen Wettbewerbsvorteil verschafft hat.

Christian Schmicke

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