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21. Januar 2022 | 17:32 Uhr
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Ex-Thomas-Cook-Chef glaubt an "bewussteres Reisen"

Seine Hoffnung sei, dass es künftig mehr um Qualität als um Masse gehe und dass authentische Erlebnisse, möglichst nah an den Leuten im Zielgebiet, die Nachfrage stärker prägen, sagt Peter Fankhauser (Foto). Auch zur Pleite des Thomas-Cook-Konzerns äußert sich der ehemalige CEO in einem Podcast.

Fankhauser Peter

Peter Fankhauser sieht die Touristik in der Verantwortung zur Lösung drängender Fragen

Nach der Pleite von Thomas Cook im September 2019, die rund 21.000 Mitarbeiter den Job kostete und 600.000 Urlauber stranden ließ, hatte sich Fankhauser aus der Öffentlichkeit zurückgezogen. Nun äußerte sich der 61-Jährige im Podcast Hin & Weg zu diversen Themen aus Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.

Im Hinblick auf die künftige Entwicklung der Touristik räumt Fankhauser ein, dass er manche Dinge vielleicht anders bewerten könne, weil er "heute keine Charterflugzeuge mehr füllen" müsse. Jedenfalls wäre die Hoffnung, dass es künftig in der Touristik mehr um Qualität und authentische Erlebnisse als um Masse gehen sollte, den Interessen seines früheren Arbeitgebers nicht wirklich entgegengekommen, auch wenn dieser punktuell immer mal wieder Akzente in Sachen Nachhaltigkeit zu setzen versuchte.

"Antwort auf Herausforderungen nicht erst 2035"

Doch wie in der Politik schärft ein gewisser Abstand zum operativen Geschäft auch in der Tourismuswirtschaft bei öffentlichen Äußerungen bisweilen den Blick. Die Branche müsse sich auf Nachhaltigkeit einrichten, auf die Herausforderungen der Klimakrise müsse die Branche schnell eine Antwort haben, nicht erst 2035, so Fankhauser. Wie und wie oft gereist werde, müsse sich erweisen; seine Hoffnung sei, dass der Trend, mit offenen Augen bewusst zu genießen, greife.

Er halte es für denkbar, dass der Tourismus im Nahbereich ein Revival erlebe, allerdings müssten die Infrastruktur und das Preisgefüge darauf ausgerichtet werden, die Destinationen auch für Familien attraktiv zu machen. Zugleich solle der Tourismus in der Destination "möglichst nahe an den Leuten" sein, auch die Bauern in der Umgebung müssten etwas davon haben, indem auf regionale Lieferketten Wert gelegt werde. Dass Reisen "ein Grundrecht für jeden und zu jedem Preis" sein müsse, bezweifelt der langjährige Konzernmanager mittlerweile; biologische Treibstoffe seien halt teurer als herkömmliche, aber: Qualität und erschwingliche Preis müssten kein Widerspruch sein.

Erleichtert, aber "bestimmt kein Grund, zu feiern"

Zur Thomas-Cook-Pleite sagte Fankhauser, in den letzten zwölf Monaten bis zur Insolvenz des Konzerns habe das Management-Team einen enormen Aufwand betrieben und es am Schluss dann doch nicht geschafft – "mit wahnsinnigen Auswirkungen auf Mitarbeiter, Kunden und Lieferanten". Am Ende habe eine Zusage über eine Sicherheit in Höhe von 200 Millionen Euro gefehlt und als die britische Regierung ihre Hilfe verweigert habe, sei klar gewesen, dass das Ende besiegelt sei.

Vergangene Woche war die Thomas-Cook-Spitze um Fankhauser von der britischen Insolvenzaufsicht nach zweijähriger Prüfung vom Vorwurf möglicher Rechtsverstöße freigesprochen worden. Für ihn sei dies "bestimmt kein Grund zu feiern, ich bin immer noch traurig, dass ich es damals nicht geschafft habe", sagte der Ex-Cook-CEO dazu. Aber dass kein Fehlverhalten vorgelegen habe, sei "natürlich eine große Erleichterung".

Über die milliardenschwere Unterstützung für TUI und Lufthansa in der Coronakrise ärgert sich Fankhauser übrigens nicht. "Dass ich die 200 Millionen nicht gekriegt habe, hat mich damals schon geärgert. Und es wäre ja nur um eine Sicherheit gegangen, nicht um neues Geld", sagt er. Gläubiger hätten schließlich auf 1,7 Milliarden verzichtet und Geldgeber seien bereit gewesen, 900 Millionen zuzuschießen. Aber rückblickend, mit dem Wissen um die Covid-Krise wisse er, "dass die 900 Millionen relativ schnell wieder weg gewesen wären, wenn auch ohne Schuld“. "Das wäre noch katastrophaler gewesen", unterstreicht Fankhauser.

Christian Schmicke

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