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8. Februar 2024 | 16:58 Uhr
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Für die Bahn spielen Reisebüros kaum noch eine Rolle

Digital boomt – Verkaufsstellen schwinden: Die Deutsche Bahn setzt im Vertrieb vor allem auf Handy- und Online-Fahrkarten. Vier von fünf Tickets werden über die App Navigator verkauft. Bei Reisezentren, Agenturen und Automaten setzt der DB-Konzern dagegen den Rotstift an.

Bahn App Navigator Foto DB Dominic Dupont.jpg

Bereits 84 Prozent aller Tickets für den Fernverkehr werden über die App Navigator verkauft

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Inzwischen werden pro Jahr über 90 Millionen Handy-Tickets mit der Bahn-App Navigator gekauft und mehr als eine Milliarde Reiseauskünfte abgerufen. Zudem bietet der DB-Konzern auf seiner Website den Kauf von Online-Fahrkarten an. Die massiven Investitionen wirken. "Wir sehen, dass sich das Buchungsverhalten seit Jahren grundlegend ändert und immer mehr Reisende ihre Tickets digital buchen", betont eine DB-Sprecherin. Man gehe davon aus, dass sich dieser Trend fortsetze.

Die Wachstumsraten sind enorm. "Im Fernverkehr werden mittlerweile 84 Prozent der Fahrkarten digital über die App DB Navigator oder Bahn.de gebucht, 2013 waren es noch 51 Prozent", heißt es beim Konzern. Im Regionalverkehr nutzten die Kunden im vorigen Jahr bereits zu rund 62 Prozent Digitaltickets, hier sorgte das Deutschland-Ticket für einen starken Schub. 

Nur noch 320 von 1.000 Reisezentren übrig 

Der digitale Direktvertrieb hat für Anbieter einige Vorteile. Man spart Provisionen für Berater und Vermittler, ebenso Kosten für stationäre Verkaufsstellen. Zudem kommen die Unternehmen an wertvolle Daten, wenn sich die Kunden registrieren. Der DB-Konkurrent Flixtrain setzt fast ausschließlich auf Online-Vertrieb. Kein Wunder also, dass auch der Staatskonzern viel Geld in diese Kanäle steckt. Beim stationären Verkauf dagegen regiert seit Jahren der Rotstift – zum Leidwesen von Kunden, die im Tarifdschungel Hilfe beim Ticketkauf oder Beratung brauchen.

Einfach zum Bahnhof gehen und am Schalter eine Fahrkarte kaufen, das funktioniert vielerorts längst nicht mehr. Nach der Bahnreform 1994 verscherbelte die neu formierte Aktiengesellschaft die meisten Empfangsgebäude von Bundes- und Reichsbahn an den mehr als 5.000 Bahnhöfen. Aus Kostengründen wurden rund 600 von einst 1.000 Reisezentren in den Stationen einfach dichtgemacht und das Personal massiv abgebaut. Schleichend dünnt der Staatskonzern die Schalter weiter aus.

In den verbliebenen Reisezentren gibt es häufig lange Warteschlangen und knappes Bedienpersonal, zum Verdruss der Kunden. Zumindest in den 25 größten Verkaufsstellen will der Konzern in den nächsten Jahren für 60 Millionen Euro die Empfangsbereiche vergrößern und neue Aufrufsysteme installieren. Kunden können sich dann die Wartenummer auch digital aufs Smartphone schicken lassen. Von mehr Personal ist dagegen nicht die Rede.

Reisebüros geben Ticketverkauf auf

Auch den Vertrieb über Reisebüros hat der DB-Konzern über die Jahre zusehends abgewürgt. Seit 2023 erhalten viele Agenturen überhaupt keine Vergütung mehr für die Beratung und den Verkauf von Bahnreisen. Schon zuvor strich der Schienenriese trotz heftiger Kritik die Provisionen für Reisebüros immer weiter zusammen. Die Folge: Fast jeder zweite Verkaufspartner hat seine DB-Lizenz inzwischen aufgegeben.

Noch Anfang des Jahrtausends konnten sich Kunden bundesweit von rund 3.200 Agenturen zu einer Bahnreise beraten lassen und bekamen die passenden Tickets. Inzwischen sind davon nur noch rund 1.700 Reisebüros mit DB-Lizenz übrig, wie der Konzern auf Nachfrage mitteilt. Der Deutsche Reiseverband warnte vergeblich, dass viele Agenturen den oft beratungsintensiven Verkauf von Bahnreisen aufgeben werden, wenn sie dafür wenig oder gar keine Vergütung mehr erhalten. 

Tatsächlich schadet die Ausdünnung der DB-Agenturen auch dem Klimaschutz, weil es so Kunden zum Beispiel bei der Urlaubsplanung weiter erschwert wird, Alternativen zum umweltschädlichen Fliegen und sachkundige Ansprechpartner zu finden.

Auch die Zahl der Automaten schrumpft

Ticketautomaten sind dabei kaum eine Hilfe – zumal auch deren Zahl sinkt. Bundesweit stehen derzeit noch rund 5.000 stationäre DB-Ticketautomaten an rund 3.000 Standorten. Das seien rund 16 Prozent weniger als noch 2018, heißt es beim Konzern auf Nachfrage.

Die Zahl der Automaten hänge von den Vorgaben der Aufgabenträger im Regionalverkehr und von den gewonnenen Ausschreibungen ab, so die Bahn. Denn bei der Vergabe neuer Verkehrsaufträge kann die Politik vorschreiben, dass neben den Digitalangeboten die anderen Verkaufsstellen nicht zu kurz kommen. Ob das auch ausreichend geschieht, ist aber nicht garantiert.

Thomas Wüpper

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