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4. September 2020 | 16:26 Uhr
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Geschäftsreiseverband will Reservierungspflicht für Fernzüge

Die Sicherheits- und Hygienekonzepte für Bahnreisende bedürften umfangreicher Nachbesserungen, stellt der VDR in einem Positionspapier fest. Unter anderem sollten die Filteranlagen der Belüftung modernisiert und eine Reservierungspflicht eingeführt werden, fordern die Geschäftsreise-Lobbyisten.

Bahn ICE 3 Foto iStock huettenhoelscher

Der VDR will, dass ICEs reservierungspflichtig werden

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Der wohl heikelste Punkt in dem Positionspapier ist die Forderung nach einer allgemeinen Reservierungspflicht. Eine verpflichtende Sitzplatzreservierung ermögliche um eine konsequente Kontaktnachverfolgung, mache die maximale Belegung kontrollierbar und gewährleiste das Einhalten von Abständen, argumentiert der VDR.

Die Bahn lehnt eine Reservierungspflicht bislang ab, weil diese Reisende, die spontan einen Zug nehmen wollten, abschrecke. Konzernsprecher Achim Stauß sagte dem ARD-Hauptstadtstudio im August, für die Bahn sei das keine Option, weil eine Pflicht zu reservieren mit vielen Einschränkungen verbunden sei. "Es ist nun mal so bei der Bahn, dass auch mal Fahrgäste spontan kommen. Ich denke an die 50.000 Bahncard-100-Kunden, ich denke an die vielen Kunden, die eine Monatskarte für eine bestimmte Strecke haben", erklärte Strauß. Denen wolle man das spontane Bahnfahren weiter ermöglichen. "Denn das ist der große Vorteil gegenüber dem Flugzeug, diesen Vorteil möchten wir im Sinne der Fahrgäste auch nicht aufgeben."

"Können nicht guten Gewissens zur Bahnfahrt raten"

Doch der Verband macht Druck. "Der aktuelle Trend zeigt, dass Mitarbeiter eher zum Dienst- oder Mietwagen greifen, als in die Bahn zu steigen. Diese Verschiebung innerhalb der Verkehrsträger ist beunruhigend, denn in den letzten Jahren haben Unternehmen viel dafür getan, ihre Mitarbeiter zur Nutzung nachhaltiger Verkehrsmittel zu bewegen," sagt VDR-Vizepräsidentin und Leiterin des VDR-Fachausschusses Bahn Inge Pirner. Derzeit könnten Travel Manager ihren Mitarbeitern "nicht guten Gewissens zu einer Bahnfahrt raten," so Pirner weiter.

Ein sicheres Angebot auf der Schiene müsse bestimmte Standards erfüllen, so die VDR-Vizechefin, die im Hauptberuf Fachberaterin für Travel Management beim IT-Dienstleister Datev ist. Dazu gehöre etwa die konsequente Durchsetzung und Überwachung der Pflicht zum Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes während der Fahrt, an Bahnsteigen und Bahnhöfen. Auch für die derzeit nicht mögliche Erhebung von Strafzahlungen durch Bahnangestellte müsse eine Lösung gefunden werden.

Investitionen in Technik

Ferner fordern die Vertreter des Travel Managements, die Bahn solle die Filteranlagen der Fernverkehrszüge durch HEPA-Filter modernisieren, um die Ansteckungsgefahr über Aerosole zu verringern. Zudem sollten Desinfektionsspender an Ein- und Ausgängen der Züge angebracht und Kunden zur Händedesinfektion verpflichtet werden.

Für die Bahn bedeutet das eine Zwickmühle. Wenn die Geschäftsreise-Lobby und Firmen ihren Mitarbeitern öffentlichkeitswirksam von Reisen auf der Schiene abraten, resultiert daraus ein ernstes Problem. Zugleich würde eine Reservierungspflicht den Gewohnheiten vieler Kunden zuwiderlaufen und die Flexibilität des Verkehrsmittels Bahn deutlich einschränken. Es allen recht zu machen, ist in dieser Situation nicht möglich.

Christian Schmicke

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