Reedereien stoppen sämtliche Orient-Kreuzfahrten
Nach den militärischen Schlägen der USA und Israels gegen den Iran und sofortigen Gegenschlägen auf US-Basen am Golf sitzen Tausende Kreuzfahrtgäste fest. Die Mein Schiff 4 befindet sich aktuell in Abu Dhabi, die Mein Schiff 5 in Doha. Die Euribia von MSC Kreuzfahrten liegt im Hafen von Dubai.
MSC Cruises
Die MSC Euribia liegt derzeit im Hafen von Dubai
Die Gäste der Mein Schiff 5 erhielten am Samstag einen Notfallalarm direkt auf ihre Mobiltelefone mit der strikten Anweisung, sich in das Schiffsinnere zu begeben und Fensterbereiche und Balkone zu meiden. Die Außendecks wurden gesperrt, Landausflüge sofort abgebrochen. Ähnliche Szenen spielten sich auf der Mein Schiff 4 ab.
Die Reederei gab bekannt, dass die Abreisen für den 28. Februar bis 2. März nicht stattfinden können. "Die Sicherheit und das Wohlergehen unserer Gäste und der Crew haben für uns jederzeit oberste Priorität", heißt es aus der Hamburger Zentrale. TUI Cruises unterrichtet auf einer eigenen Webseite die Reisebüros und Gäste fortlaufend über die weitere Entwicklung.
Auch MSC Cruises trifft die Eskalation am Golf. Die MSC Euribia liegt zum Gästewechsel in Dubai. Aufgrund der sofortigen Sperrung des Luftraums ist auch hier ein regulärer Passagierwechsel unmöglich. MSC informierte die Gäste per SMS über die Absage der für Sonntag geplanten Reise. Das Schiff wird den Hafen von Dubai vorerst nicht verlassen.
TUI Cruises und MSC Kreuzfahrten hatten trotz der unsicheren Lage an der Durchführung der Orientkreuzfahrten in dieser Wintersaison festgehalten. Noch gibt es keine Auskunft, ob die Saison bei einer Beruhigung der Situation noch zu Ende gefahren wird. Aida Cruises und Costa dagegen hatten bereits im Juli 2025 weitsichtig die gesamte Wintersaison im Orient abgesagt und ihre Schiffe in andere Fahrtgebiete verlegt.
Die geografische Falle: die Kreuzfahrtschiffe müssen durch die Straße von Hormus
Neben der akuten Bedrohung durch Luftangriffe stellt die geografische Lage die Reedereien vor ein weiteres Problem. Alle betroffenen Schiffe befinden sich innerhalb des Persischen Golfs. Der einzige Weg in offene Gewässer führt durch die Straße von Hormus. Diese Meerenge, an ihrer schmalsten Stelle nur etwa 39 Kilometer breit, wird im Norden vom Iran kontrolliert. Sollte der Iran diese Passage militärisch blockieren oder verminen, sitzen die Mein Schiff 4, die Mein Schiff 5, MSC Euribia in einer Sackgasse fest.
Das drängendste Problem bleibt aber kurzfristig die Rückführung der Gäste per Flugzeug. Da die zivilen Flughäfen derzeit geschlossen sind, sind die Handlungsoptionen extrem limitiert. Vorstellbar ist, dass der TUI-Konzern eigene Maschinen aus der Ferienflieger-Sparte entsenden könnte, um nach einer Öffnung des Flugraums die Gäste ohne weitere Verzögerung schnellstmöglich auszufliegen.
Pascal Brückmann