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25. Januar 2021 | 12:12 Uhr
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TUI-Betriebsrat verteidigt Kredite und attackiert Piloten

"Viele, viele Arbeitsplätze und Existenzen sind indirekt von TUI abhängig", sagt der oberste Arbeitsnehmervertreter der TUI, Frank Jacobi. Der Konzern sei zwar nicht für Deutschland, wohl aber für die Touristik "systemrelevant“. An die Adresse der Tuifly-Piloten richtet der Betriebsratschef die Forderung, sich stärker an Sparmaßnahmen zu beteiligen.

Jakobi Frank

Frank Jakobi kritisiert die Haltung der Tuifly-Piloten

Jakobi ermahnte die Piloten gegenüber der Nachrichtenagentur „DPA“, sich solidarischer zu zeigen. "So gut wie alle Beschäftigten machen Kurzarbeit – aber eine Gruppe leistet im Augenblick keinen Beitrag", kritisierte er im Gespräch mit der Nachrichtenagentur. Viele Mitarbeiter, die gut verdienen und oberhalb der Schwellen für das Kurzarbeitergeld liegen, hätten sich ebenfalls bereiterklärt, freiwillig auf bis zu ein Fünftel ihres Gehalts zu verzichten.

Die Piloten hätten hingegen gesagt: "Das kommt für uns nicht in Frage, wir beteiligen uns nicht an Kurzarbeit und verzichten mit Blick auf Kurzarbeit auf nichts"", so der Vorsitzende der Arbeitnehmervertretung. Damit kapselten sich die üppig bezahlten Piloten von anderen Unternehmensbereichen, wie etwa den Reisebüros, Callcentern oder Veranstaltungs- und Verwaltungsbereichen, ab. Dort steckten die Mitarbeiter „im Interesse des Ganzen zurück“. "Diese Berufsgruppe isoliert sich gerade", kritisiert der Betriebsratschef.

Hilfen "insgesamt in Ordnung"

Die Milliardenkredite und Bürgschaften, die vor allem über die Förderbank KfW laufen, seien "insgesamt in Ordnung", meint Jakobi. Denn man müsse auch mögliche Anschlusseffekte beachten. "Wenn es uns nicht mehr gibt, dann hat auch das kleine Reisebüro an der Ecke fast kein Produkt mehr und bekommt Sortimentsprobleme", erklärte Jakobi.

TUI hat mit drei Stabilisierungspaketen insgesamt 4,8 Milliarden Euro erhalten. Rund 500 Millionen Euro davon stammen aus einer laufenden Kapitalerhöhung der Aktionäre, an der auch Großaktionär Alexej Mordaschow beteiligt ist. Der Bund kann eine Einlage seines Wirtschaftsstabilisierungsfonds in Anteile umwandeln und erhielte damit 25 Prozent plus einer Aktie. Jakobi betonte im Gespräch mit "DPA", dass es sich nicht um „Geschenke" handele, sondern um Kredite mit teils hohen Zinsen: "Wir werden alle Hilfen zurückzahlen, am Ende wird der deutsche Steuerzahler an TUI viel Geld verdienen", versichert er.

Zudem zahlten die Beschäftigten mit erhaltenen Jobs ja weiter in die Sozialkassen ein. Die Alternative wäre gewesen, dass zehntausende Kolleginnen und Kollegen arbeitslos würden, keine Steuern mehr zahlten und staatliche Unterstützung wie Arbeitslosengeld erhielten. Ein solches Szenario scheine ihm "kein intelligentes Konzept zu sein", so Jakobi.

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