Verkehrsminister nennt Bahn-Unpünktlichkeit "inakzeptabel"
Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (Foto) hat in einem Interview mit dem Handelsblatt den Druck auf Bahn-Chefin Evelyn Palla erhöht und seine Unzufriedenheit über die mangelhafte Zuverlässigkeit des Unternehmens ausgedrückt. Im Jahresschnitt sei er bereits froh, wenn der Fernverkehr eine Pünktlichkeitsquote von 60 Prozent halte.
Tobias Koch
Ist mit der Pünktlichkeit des Staatskonzerns Deutsche Bahn nicht zufrieden: Verkehrsminister Patrick Schnieder
Der CDU-Minister bezeichnete die aktuelle Unpünktlichkeit der Deutschen Bahn gegenüber dem Handelsblatt (Abo) als "inakzeptabel". Im April habe die Pünktlichkeitsquote im Fernverkehr bei 64 Prozent gelegen, im Jahresdurchschnitt rechne er nur mit 60 Prozent. Er hoffe, dass die Talsohle in diesem Jahr erreicht sei und sich die Lage 2027 bessere. Eine schnelle Wende schloss der Minister aus: "Das ist kein Schalter, den man nur umlegen muss." Mit jeder abgeschlossenen Baumaßnahme und betrieblichen Anpassung werde das Netz zuverlässiger.
Die personelle und strukturelle Neuaufstellung des Konzerns zeigt laut Schnieder aber erste Wirkung. Bahnchefin Palla setze den Kurs fort: effizienter, regionaler, weniger Bürokratie. Bei Sauberkeit und Sicherheit greife das Sofortprogramm, die Zufriedenheitswerte stiegen, so der Minister.
Mehr Wettbewerb auf der Schiene ist grundsätzlich positiv
Den geplanten Markteintritt des italienischen Anbieters Italo begrüßte Schnieder ausdrücklich. Wettbewerb belebe das Geschäft und sei ein Vertrauensbeweis in die Schiene in Deutschland. Hindernisse sieht er im Rechtsrahmen: Rahmenverträge seien möglich, aber nicht verpflichtend. Verbindliche Änderungen erwartet er auf EU-Ebene erst 2031.
Auch das Vorhaben der EU-Kommission, die Ticket-Plattform DB-Navigator für andere Anbieter zu öffnen, unterstützt der Minister. Eine gemeinwohlorientierte Nutzung sei Teil seiner Agenda. Werde dies EU-weit Regel, könne sich auch die Deutsche Bahn dem nicht entziehen.