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20. November 2019 | 13:05 Uhr
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Ergreifen Sie die Initiative!

Fragt man Unternehmen, auf welche Soft Skills sie bei Führungskräften am meisten achten, sind sich alle einig: "Wir wollen den Dackel nicht zur Jagd tragen. Er muss selber laufen." Wen wundert es da, dass sich Entscheider – übrigens auch Personalberater – besonders eines wünschen: Eigeninitiative.

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General Manager Walter K. ist sichtlich genervt. Im Coaching berichtet er dem Personalberater seines Vertrauens völlig verzweifelt: …"65 Bewerbungen geschrieben, alles nur Absagen!“ Was macht er nur falsch? Bei näherer Betrachtung wird klar, was er an seiner Bewerbungsstrategie ändern muss. Er hatte sich bisher ausschließlich auf öffentliche Stellenausschreibungen schriftlich beworben. Dabei übersah er die Chancen, die er sich durch eine pfiffige Initiativbewerbung erarbeiten kann.

Tatsächlich werden rund 70 Prozent aller offenen Stellen vergeben, noch bevor sie jemals offiziell ausgeschrieben wurden. Um an solche Jobs zu kommen, gibt es eigentlich nur zwei Möglichkeiten: Vitamin B - oder eine Initiativbewerbung.

Walter K. schaut seinen Coach zunächst ungläubig an. Doch nach der Session mit dem Berater sieht er die Dinge anders. Er hat gelernt, wie er seine Chancen vervielfachen kann. Die Vorteile der Initiativbewerbung liegen auf der Hand: Keine direkte Konkurrenz durch andere Mitbewerber, da keine Stellenausschreibung. Der Fokus des potentiellen Arbeitgebers liegt nur auf der Qualifikation des Initiativbewerbers. Er beweist Eigeninitiative und Motivation sowie Interesse an diesem Unternehmen. Der Initiativbewerber eröffnet sich Chancen auf Top Positionen im verdeckten Arbeitsmarkt.

Wenn, dann richtig

Für diejenigen, die bei ihren Bewerbungen bisher ähnlich negative Erfahrungen gemacht haben wie Walter K., sei gesagt: Nur weil Sie sich initiativ bewerben, also auf eigene Faust und ohne einen Bezug zu einer konkreten Stellenanzeige, heißt das nicht, dass Sie dies völlig naiv nach dem Gießkannenprinzip tun sollten. Zugegeben – das ist mehr Aufwand als bei einer Bewerbung auf eine Stellenausschreibung. Aber es lohnt sich. Wer eine Initiativbewerbung startet, sollte sich vorher einen detaillierten Schlachtplan anlegen:

Schritt 1: Eine selbstkritische SWOT Analyse über die eigene Person.

Schritt 2: Welche Positionen, Aufgaben sind realistisch und erstrebenswert?

Schritt 3: Welche Branchen, Zielunternehmen, Regionen kommen für den nächsten Schritt in Frage?

Bei der Recherche nach dem Wunscharbeitgeber hilft das Internet: Die Firmenhomepage, bei Jobbörsen geschaltete Stellenangebote, Branchenverbände und die einschlägige Fachpresse liefern erste Informationen wie zum Beispiel Geschäftsbereiche des Unternehmens, etwaige Verbindungen zu anderen Unternehmen (Mutter, Tochter, Konzern), veröffentlichte Bilanzen und Geschäftsberichte. Wer ist Ihr Ansprechpartner, wer sind Entscheider für Ihren Fachbereich? Wie viele vakante Stellen stehen online auf den firmeneigenen Karriereseiten und in Jobbörsen? Gibt es gerade einen Einstellungsstopp? Hinweise auf hohe Fluktuation im Management? In welche Märkte expandiert das Unternehmen, die Hotelgruppe? Gibt es in der Wirtschaftspresse Hinweise auf neue Produkte und Hotels? Führungswechsel? Könnten hierfür spezialisierte Führungskräfte gesucht werden? Aber auch: Welche Beurteilungen hat der Arbeitgeber auf Bewertungsportalen wie Kununu & Co

Sie interessieren sich ganz besonders für ein Unternehmen? Die recherchierten Informationen haben Sie überzeugt? Sie möchten nicht auf passende Stellenangebote dieses Arbeitgebers warten? Zeigen Sie jetzt mit einer Initiativbewerbung, was doch alle Unternehmen von einer Führungskraft erwarten: Eigeninitiative. Das funktioniert bei Konzernen ebenso wie im Mittelstand.

Manchmal hilft hier Netzwerkeln: Kontakte zu Mitarbeitern oder Ex-Mitarbeitern des Unternehmens knüpfen - zum Beispiel auf XING, LinkedIn, Facebook oder Twitter. Nicht jeder, aber mehr als Sie denken, helfen durchaus weiter. Kaum bekannt ist: tatsächlich ermuntern einige Unternehmen Bewerber dazu, eine Initiativbewerbung zu schicken, Motto: „Zeigen Sie Eigeninitiative! Außergewöhnlichen Talenten, die sich für eine berufliche Karriere bei uns interessieren, steht die Tür immer offen“. Zwar lehnt das Gros Blindbewerbungen ab und verweist auf die Stellenanzeigen in Jobbörsen. Aber es gibt eben auch Ausnahmen.

Der erste (Telefon)Kontakt ist entscheidend

Natürlich ist es hilfreich, direkt ins Gespräch mit dem Top Entscheider im Unternehmen zu kommen. Nur selten haben Personalabteilungen wirklich ein offenes Ohr für Initiativbewerber. Aber der Top Entscheider hat oft schon einen Personalbedarf im Kopf, der noch nicht intern kommuniziert wurde. Sollten Sie keinen der Mitarbeiter persönlich kennen, so können vielleicht Freunde oder Bekannte einen entsprechenden Kontakt herstellen. Ein Blick in die sozialen Netzwerke kann hierbei helfen, um den Ansprechpartner herauszufinden.

Ebenso eignen sich Messen und Ausstellungen, auf denen das Unternehmen sich präsentiert, zur ersten Kontaktaufnahme. Wem es gelingt, direkt mit dem zukünftigen Vorgesetzten im Telefonkontakt abzuklopfen, ob die eigenen Fähigkeiten gerade gefragt sind, der erhöht seine Chancen. Aber Achtung: Dieses Telefonat ist noch keine Bewerbung, sondern nur ein erster kurzer Informationsaustausch. (Im Verkauf spricht man von Bedarfsanalyse). "Herr Dr. Müller-Lüdenscheid, ich verfolge die Aktivitäten Ihres Unternehmens mit großem Interesse. Vielleicht kann ich mit meinen Kenntnissen und Erfahrungen im Bereich … dazu einen Mehrwert leisten…".

Es geht nur darum, neugierig zu machen auf die eigene Person. Ideal: Mit Ihrer Initiative wecken Sie so großes Interesse, dass Ihr Ansprechpartner möglichst nachdenkt, ob er eine Stelle für Sie schaffen soll, falls er nicht schon an einen bestimmten Einsatz für Sie denkt. Beantworten Sie dabei folgende fünf Fragen kurz und knapp: 1. Wer und was bin ich? (keine detaillierte Selbstdarstellung!). 2. Welche Qualifikationen zeichnen mich aus? 3. Welchen Beitrag zum Erfolg des Unternehmens kann ich leisten? 4. Für welche Aufgaben interessiere ich mich? 5. Was begeistert mich an dem adressierten Unternehmen? Mehr nicht. Sie werden sehen: Ihre spätere schriftliche Bewerbung genießt plötzlich mehr Aufmerksamkeit, denn: „…Achtung! Der ist wichtig. Der hatte schon persönlichen Kontakt mit dem Boss“.

Und noch ein Tipp: Der eine oder andere Arbeitgeber arbeitet regelmäßig mit dem gleichen Personalberater zusammen. Es kann hilfreich sein, den direkten Draht zu den Haus- und Hof-Beratern herzustellen, um auch hier die Chancen einer Initiativbewerbung zu eruieren.

Zum Autor: Albrecht von Bonin ist seit über 40 Jahren selbständiger Personalberater und Coach. Die Von Bonin + Partner Personalberatung berät Hotellerie, Touristik und deren Zulieferbranchen bei der Suche und Auswahl von Spitzenkräften. Sein Buch „Mitarbeiter suchen, finden, fördern, binden“ (Matthaes Verlag) ist inzwischen zum Standardwerk für innovative Führungskräfte und Unternehmen geworden.

von Bonin Albrecht
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