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24. Juni 2022 | 13:41 Uhr
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TUI-Chef Joussen tritt vorzeitig ab – Ebel soll folgen

Nach rund zehn Jahren an der Spitze übergibt Fritz Joussen Ende September sein Amt als Vorstandsvorsitzender des Tourismuskonzerns. Nachfolger soll der heutige Finanzvorstand Sebastian Ebel (Foto) werden. Dessen Job übernimmt Mathias Kiep, bislang Group Director Controlling, Corporate Finance und Investor Relations.

Ebel Sebastian Vorstand TUI Group

Sebastian Ebel wird neuer Vorstandschef des TUI-Konzerns

Drei Jahre vor dem Auslaufen seines Vertrages gibt Joussen den Vorstandsvorsitz der TUI Group ab. Er übt damit laut TUI ein Niederlegungsrecht aus, das im Zusammenhang mit den Auflagen der Corona- Stabilisierungsmaßnahmen eingeräumt wurde. Das Präsidium des Aufsichtsrats will nun dem Aufsichtsrat der TUI AG vorschlagen, Sebastian Ebel zum 1. Oktober zum Vorstandsvorsitzenden zu berufen. Die Vertragslaufzeit soll drei Jahre betragen.

Überraschung oder Abgang mit Ansage?

In ersten Pressemeldungen wird der Rücktritt Joussens allgemein als überraschend eingestuft. Dagegen schreibt das Manager Magazin, es handele sich um einen "Abgang mit Ankündigung". Aufsichtsratschef Dieter Zetsche wird mit den Worten zitiert, er bedauere den Schritt und würdigt Joussens Rolle bei der Stabilisierung des Konzerns in der Coronakrise sowie bei der Digitalisierung. Joussen selbst erklärt in einem Mitarbeiterschreiben, er habe lange über den Schritt nachgedacht. Die Entscheidung sei ihm nicht leichtgefallen, aber er sei überzeugt, dass es an der Zeit für einen Führungswechsel an der Unternehmensspitze sei, schreibt er. Unter neuer Führung gehe es nun um die Rückkehr zu profitablem Wachstum und darum, Schulden abzubauen, die Bilanz zu stärken und den Konzern weiter zu transformieren.

Das von TUI genannte Niederlegungsrecht, von dem Joussen Gebrauch macht, basiert laut Handelsblatt auf einer Sonderregel, die mit der Staatshilfe kam. So hätte Joussen bereits vor zwei Jahren ausscheiden können, denn mit den Hilfen wurde in seinen Vertrag eingegriffen: Unter anderem sind Boni nicht erlaubt. Joussen blieb, aber er konnte bis Juni 2022 entscheiden, doch noch auszuscheiden – und zwar zu den üblichen Konditionen. Das bedeutet laut Handelsblatt: Der Manager wird zwar nicht seinen vollen Vertrag ausbezahlt bekommen, wohl aber noch zwei weitere Jahre.

Viel Arbeit für Sebastian Ebel

Für Ebel, der 2013 im Gefolge Joussens von Vodafone zu TUI zurückgekehrt war und der zuvor bereits unter anderem für Tochterunternehmen der damaligen Preussag AG und danach für Autoteile Unger und Vodafone aktiv war, steht nun eine Herkulesaufgabe bevor. Denn es erscheint zwar möglich, dass TUI schon in diesem Geschäftsjahr operativ wieder schwarze Zahlen schreibt. Doch die Schuldenlast samt Zinsen drückt. So lagen die Nettofinanzschulden des TUI-Konzerns Ende März bei knapp vier Milliarden Euro. Zudem hat sich TUI in den vergangenen Jahren von vielen werthaltigen Assets getrennt, darunter Hotelimmobilien, Spezialveranstaltern und der Hälfte der Anteile an Hapag-Lloyd Cruises.

An der Börse verlor die TUI-Aktie, deren Kurs seit Mitte Mai von 2,89 auf 1,73 Euro abgerutscht ist, am Freitag zwischen zwei und drei Prozent. Ob dies Joussens Abgang oder eher der allgemeinen Krisenstimmung im Gefolge von Ukraine-Krieg, Inflation Eund Energiekrise zuzuschreiben ist, bleibt unklar.

Was der "neue" Mann vorhat

Analysen der Wirtschaftswoche und des Fachblatts FVW beschreiben Ebel als detailversessenen Machertyp, dessen Führungsstil eher robust sei. Während der Corona-Krise sei Ebel im Konzern deutlich präsenter gewesen als Joussen, berichtet die Wirtschaftswoche. Als TUI-Chef werde er "noch stärker auf Digitalisierung, schlanke Abläufe und statt wie bisher niedrige Ausgaben vor allem auf flexiblere Kosten setzen, die sich bei Krisen schnell senken lassen und nicht zu hohen Verlusten führen", wird ein Insider zitiert.

Christian Schmicke

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