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21. April 2026 | 15:37 Uhr
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TUI-CEO sieht keine Spaltung in der Kerosin-Frage

TUI-Chef Sebastian Ebel (Foto) weist den Eindruck auseinanderlaufender Interessen in der Debatte über die Energiekrise zurück. Er sehe "keine Spaltung oder unterschiedliche Positionen" zwischen der Reise- und der Airline-Industrie, erklärt er in einem Statement gegenüber Reise vor9. 

Ebel Sebastian

Sebastian Ebel sieht Touristik und Airlines auf gemeinsamem Kurs

Man müsse zwischen der Analyse für den Sommer und dem Blick nach vorn unterscheiden, falls die Krise am Golf die Energiebranche mittelfristig oder länger belasten sollte, so der TUI-Chef weiter. Für die Sommerferien und die Reisen der TUI-Kunden sehe er die Verfügbarkeit gesichert, bekräftigt er gegenüber Reise vor9. Zugleich fordert er einen engen Austausch zwischen Politik, Energiewirtschaft und Luftfahrt. Dieser Austausch finde auf Initiative von Wirtschaftsministerin Katherina Reiche statt.

Zuletzt hatten Ebel und der Luftfahrtverband BDL in der Debatte unterschiedliche Akzente gesetzt. Während sich der TUI-CEO zuversichtlich im Hinblick auf die Verfügbarkeit von Kerosin zeigte, schlug die Airline-Lobby Alarm, warnte vor Engpässen und forderte schnelle Entlastungen.

TUI stützt BDL-Forderungen, zieht aber eine Grenze

Ebel sagt nun dazu, TUI unterstütze die Forderungen des BDL zur Entlastung des Luftverkehrs und habe diese im BDL-Präsidium mit beschlossen. Dazu zählten etwa die Aussetzung der Luftverkehrssteuer und die Zulassung anderer Kerosin-Arten.

Einen Vorrang des Frachtverkehrs vor dem "verdienten Urlaub", wie ihn etwa die Cargo-Lobby fordert, lehnt Ebel naheliegenderweise ab. Das sei auch keine Forderung des BDL oder von Luftverkehr und Touristik. Die Reisebranche sei ein relevanter Wirtschaftszweig mit Millionen Arbeitsplätzen in Deutschland, Europa und international und müsse auch so wahrgenommen werden. Lieferketten und Fracht seien wichtig, Urlaub aber ebenso.

Ebel fordert niedrigere Standortkosten

Aus Sicht des TUI-Chefs müssen Politik, Energiewirtschaft und Luftfahrt enger zusammenarbeiten, um Transparenz zu schaffen, die Verfügbarkeit zu sichern und Unsicherheiten aus dem Markt zu nehmen. Darüber hinaus dringt er auf sinkende Standortkosten.

Hier gebe es Einigkeit über Branchen hinweg, sagt Ebel. Die Überregulierung hänge "wie ein Mühlstein am Bein", koste Unternehmen Kapazität und Geld und verteuere vor allem das Leben der Konsumenten. Deshalb sei jetzt die Zeit, die Standortkosten deutlich zu senken.

Sicherheitsrat sieht keine akute Versorgungskrise

Auch der Nationale Sicherheitsrat kommt nach seiner Sitzung zur Energiekrise infolge des Iran-Kriegs am Montag zu dem Ergebnis, es gebe derzeit keine Versorgungsnotlage bei Treibstoff. Die Vorräte, vor allem an Kerosin, seien für eine "absehbare Zeit" ausreichend.

Zudem gebe es "Raffinerieoptionen", die eine schnelle Reaktion auf mögliche Lücken ermöglichten. Zugleich sei man sich der angespannten Lage bewusst und werde die Entwicklung weiter intensiv beobachten. Die bestehende Task-Force Energieversorgung soll dafür ausgeweitet und in einen Staatssekretärsausschuss umgewandelt werden.

Bundeskanzler Friedrich Merz hatte die Sitzung am Sonntagabend auf der Hannover Messe angekündigt. Ziel sei, dass sich Wirtschaft und Bürger darauf verlassen könnten, dass die Versorgung mit zentralen Produkten wie Diesel, Benzin und Flugbenzin gesichert bleibe.

EU-Kommission sieht eher Preis- als Kapazitätsthema

Auch die EU-Kommission gibt vorerst Entwarnung. Laut  Verkehrskommissar Apostolos Tzitzikostas gebe es keinen Hinweis auf großflächige Flugstornierungen in den nächsten Monaten, meldet die Nachrichtenagentur DPA. "Die Treibstoffvorräte für kommerzielle Flugzeuge stehen in Teilen Europas unter Druck", räumte Tzitzikostas nach einer Videokonferenz mit Verkehrsministern der EU-Staaten ein. Man verfolge die Situation eng. Zum jetzigen Zeitpunkt komme der Markt jedoch mit dem Druck zurecht, und es gebe keine Anzeichen für tatsächliche Engpässe. 

Manche Unternehmen hätten nicht mehr rentable Flüge gestrichen - aber nicht aus Mangel an Kerosin, sondern wegen der hohen Treibstoffpreise. "Und wir haben zum jetzigen Zeitpunkt keinerlei Anzeichen dafür, dass es in den kommenden Wochen oder Monaten zu weit verbreiteten Flugausfällen kommen wird."

Christian Schmicke

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